Escheburg

Geschichte Escheburg-Vossmoor

Das Dorf Escheburg befindet sich zwischen der Dalbekschlucht und dem Bistal. Beide landschaftlich schönen Täler sind durch das abfließende Schmelzwasser der letzten Eiszeit entstanden. Der Name Escheburg weist eindeutig auf eine deutsche Gründung hin, die vermutlich in der Zeit Karls des Großen (768-814) und danach anzusetzen ist, als die Territorialherren Wälder roden ließen, um durch neue Bauernstellen ihre Machtstellung zu vergrößern. Ein genaues Gründungsdatum ist historisch nicht belegbar. Da Escheburg gegenüber dem Bischof von Ratzeburg nicht zehntpflichtig war, wird es auch nicht – wie viele andere Nachbardörfer- in dem bekannten Zehntregister von 1230 erwähnt. Escheburg muss aber schon zu diesem Zeitpunkt existiert haben, da es bereits 1319 urkundlich als „villarum Escheborg“ genannt wird. Die zweitälteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1348, als der Herzog Erich seinen großen Hof in Escheburg, der ihm scheinbar als Verwerk gedient hat, an das Kloster in Reinbek verkaufte.
Dass es hier einmal eine Burg gab, von der der Dorfname abgeleitet wurde, ist wohl eher eine Spekulation. Vielleicht hat es hier im frühen Mittelalter eine Fluchtburg gegeben. Mit der ersten Silbe „Esche“ ist auch nicht der Baum gemeint, sondern vermutlich das gotische Wort „Esch“, was soviel wie Saatland bzw. Ackerland bedeutet. Die zweite Silbe „burg“ weist auf den Berg hin, wo sich die in Längsstreifen angelegten aus der Gemarkung herausgenommenen fruchtbaren Eschfluren befanden.
Die ursprüngliche Dorfmitte war der Dorfanger, um den herum die alten Bauernstellen standen, deren Inhaber sich auf diese Weise gegen Angriffe von außen schützen konnten. Heute erinnert nur noch der Name „Dorfplatz“ an diese alte Siedlungsform. Inzwischen sind fast alle großen Bauernhäuser modernen und großen Wohnanlagen gewichen.
Ab dem 16./17. Jahrhundert setzt eine Art von Globalisierung in dem abgeschiedenen Bauerndorf ein; verschiedene neu eingerichtete Postlinien gehen durch Escheburg und bringen den Bauern unten an der Alten Landstraße zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Besonders zu erwähnen ist die Königlich-Preußische Post, die Berlin mit Hamburg verband.
Tiefgreifende strukturelle Veränderungen erfuhr Escheburg nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Vertriebene hier eine neue Heimat fanden. Der Ortsteil Vossmoor, der 1778 im Rahmen der Verkoppelung um einige Anbauerstellen erweitert wurde, hat sich während der letzen 50 Jahre zu einem begehrten Wohnquartier entwickelt.
Während der Zeit der französischen Besetzung (1810-1813) erfuhr Escheburg eine Höherstufung als Verwaltungszentrum (mairie) für die umliegenden Dörfer. Hier wurde in französischer Sprache das Zivilstandsregister geführt. Man wollte auf diese Weise die geborenen Jungen erfassen, um sie später als Soldaten requirieren zu können.
Die Nähe zu Bergedorf und die einsetzende Industrialisierung nach 1870 brachte für die Escheburger Bauern enorme wirtschaftliche Vorteile. Die Errichtung der Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn 1906 war verkehrstechnisch von großem Vorteil und ermöglichte vielen kleinen Landbesitzern ihre Produkte direkt auf dem Bergedorfer Wochenmarkt zu vermarkten.
Ein historisches Kleinod ist die im Volksmund fälschlich als „Dänenbrücke“ bezeichnete Brücke über den Knollgraben im Vossmoor am äußersten Ende der Escheburger Feldmark-unmittelbar an der Grenze zu Altengamme. Es handelt sich hier um eine im römischen Baustil aus großen Feldsteinen errichtete Brücke, in der sich u. a. zwei behauene Kopfsteine aus Sandstein befinden. Sie zeigen die übereinander geschriebenen Initialen G und R (Georg Rex) des englischen Königs Georg III. und darunter die Jahreszahl 1777 sowie das springende Sachsenross mit dem militärischen Motto der Engländer und Hannoveraner: „Nec aspera terrent“ (Sie fürchten nicht das Schlimme). Von 1689 bis 1815 waren die Hannoveraner Landesherren im Herzogtum Lauenburg; durch die Personalunion zwischen Hannover und England waren die englischen Könige von 1714 bis 1815 ebenfalls Kurfürsten von Hannover und Herzöge von Lauenburg .
Die Brücke war als eine „Schleußenbrücke über den Furth unweit dem Himmelfahrtsberg“ konzipiert und sollte einerseits das Wasser aus dem Grabensystem der Escheburger und Besenhorster Moorwiesen aufnehmen und andererseits bei Elbhochwasser verhindern, dass das Wasser aus den Vierlanden die Escheburger Moorwiesen überflutete. Sie war somit ein wichtiger Bestandteil eines umfangreichen Entwässerungssystems , dass die wirtschaftliche Rentabilität der Moorwiesen erhöhen sollte. Die aufwendig gestalteten Brückenkopfsteine scheinen die Macht der Hannoveraner an der Hamburger Grenze zu demonstrieren. Aus den alten Akten geht ebenso hervor, dass die Brücke als ein Teil einer neuen und schnelleren Verkehrsverbindung zwischen dem Herzogtum Lauenburg und dem eigentlichen Kurfürstentum Hannover vorgesehen war. In Besenhorst sollte eine Fährverbindung über die Elbe errichtet werden, um den Hamburgern die Zolleinnahmen vom Zollenspieker streitig zu machen. Dieser Plan konnte nicht verwirklich werden, da England – und somit auch Hannover- im ausgehenden 18. Jahrhundert bis 1815 in viele Kriege verwickelt war.

Hans-Friedrich Müller

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